11. Januar 2017 Von Gelesen 59 mal 0 Kommentar

Katze im Sack

Wer sich als Coach etablieren möchte, hat es heute ungleich schwerer als noch vor 10 Jahren. Zwar hat Coaching mehr und mehr seinen Platz in der Gesellschaft gefunden, doch gibt es auch immer mehr "Wildwuchs".

So werden häufig Maßnahmen als Coaching bezeichnet, die für uns eher einer Fachberatung gleichzusetzen sind. Vielleicht hast Du bereits in unserem Buch "Jetzt werde ich Coach!" gelesen, was Coaching für uns bedeutet.  Um heute von seiner Profession gut leben zu können, ist es für die meisten Coaches von Nöten sich ein zweites, besser ein drittes Standbein aufzubauen. Durch die Vielzahl an Coaches, die sich am Markt tummeln, wird es nicht nur für uns schwerer sondern auch für unsere Kunden. Diese müssen nämlich aus der Vielzahl der Angebote jenes raussuchen, dass ihnen die bestmögliche Lösungsoption anbietet.

Doch wie können wir uns von der Masse abheben bzw. dem Kunden das Gefühl geben, dass er bei uns richtig ist? Ein Thema, dass nicht nur die Teilnehmenden unserer Coaching-Ausbildung weit über die Ausbildung hinaus begleitet.

Als Coaches verkaufen wir kein greifbares Produkt. Unsere potentiellen Kunden können unsere „Ware“ nicht anfassen, nicht testen. Es gibt auch keine Umtauschgarantie und keine Rückgabemöglichkeit. Das heißt, unsere Kunden geben uns einen riesigen Vertrauensvorschuss, wenn sie bei uns ein Coaching buchen und wir müssen ihnen das Gefühl geben, dass sie nicht „die Katze im Sack“ kaufen.

Aufgrund dieser Unwägbarkeiten für den Kunden, darf es uns nicht wundern, wenn die Kaufentscheidung zögerlich ist bzw. sehr lange dauert. Doch wie können wir es anstellen, unseren Kunden möglichst umfassend das Gefühl zu geben, dass sie bei uns genau richtig sind?

Da viele unserer Kunden über unsere Website auf uns aufmerksam werden, gilt es hier alles dafür zu tun das Vertrauen der Kunden zu gewinnen. Doch was gehört dazu?

Die eigene Coach-Biografie

Zunächst einmal ist es wichtig die eigene Biografie zu beschreiben. Diese zeigt unsere bisherige Lebens- und Berufserfahrung und nicht selten suchen sich Klienten Coaches aus einem ähnlichem Berufsfeld, da dies eine gewisse Feldkompetenz erwarten lässt. Ich habe z. B. viele Jahre Softwaretrainings gegeben, bevor ich zusätzlich Coach wurde und nicht selten buchen mich Menschen aus dem IT-Sektor oder auch Projektmanager. Natürlich nicht ausschließlich aber eine gemeinsame Sprache kann die Kommunikation deutlich erleichtern.

Deine Coaching-Ausbildung

Aus der Biografie sollte nicht nur die Ursprungsausbildung bzw. das Studium hervorgehen, sondern auch Deine  Coaching-Ausbildung und wie lange Du schon als Coach arbeitest. In einem anderen Artikel (Link) haben wir uns schon mal mit dem Thema Zusatzausbildungen für Coaches beschäftigt und dafür plädiert nicht jedes Wochenendseminar aufzuführen. Diese Einstellung bleibt auch bestehen. Versetze Dich in die Lage potentieller Klienten und überlege Dir welche Information tatsächlich relevant ist. Interessanter als jeder einzelne Workshop ist für viele Klienten wie lange Du bereits als Coach arbeitest. Dies ist natürlich leichter zu schreiben, wenn man bereits einige Jahre Praxiserfahrung hat, als wenn man gerade angefangen hat. Hier kann es helfen Berufserfahrungen zu beschreiben, die die notwendige Feldkompetenz unterstreichen.

Dein Coaching-Thema

Die Klienten interessiert weiterhin auf welche Probleme Du Dich spezialisiert hast. Es gibt nicht den „Nur“-Coach. Ich habe mich z. B. auf die Themen Konflikte, Entscheidungen und Stressmanagement spezialisiert. Darum ranken sich natürlich viele Unterthemen wie persönliche und berufliche Neuorientierung, Führungsverhalten, Konflikte am Arbeitsplatz usw. Optimal ist es, wenn Deine Klienten auf Deiner Internetseite erkennen können welche „großen“ Probleme sie mit Deiner Hilfe lösen können. Also, konzentrier Dich auf wenige Themen und mach Dich darin fit.

Weniger wichtig ist es in aller Regel die zur Anwendung kommenden Methoden bis ins Detail zu beschreiben. Die wenigsten Klienten interessieren sich dafür bzw. kennen sich damit aus.

Deine Arbeitsweise als Coach

Wichtiger ist es Deine grundsätzliche Arbeitsweise während des Coachings zu formulieren und zwar in einer Sprache, die Deine Coaching-Interessenten anspricht. Versuche Dich sprachlich abzuheben, in dem Du die Sprache Deiner Kunden benutzt und nicht irgendwelche abgedroschenen Phrasen von anderen Webseiten übernimmst. Versuche bei allem was Du schreibst, die Perspektive Deiner Kunden anzunehmen. Sie sind es, die Du überzeugen willst und deren Vertrauen Du gewinnen möchtest. Schreibe so konkret wie möglich. Das macht Deine Vorgehensweise anschaulich.

Zeige Deinen Kunden, dass Du etwas von dem Problem-Thema verstehst. Behandle dies eingehend auf Deiner Internetseite, damit die Lesenden erkennen können, dass Du Dich intensiv mit der Thematik beschäftigt hast und Dich auskennst. Erfolgreiche Fallbeispiele können das Bild abrunden.

Falls Du schon Artikel oder interessante Blogbeiträge zu „Deinen“ Themen veröffentlicht hast, solltest Du auch das erwähnen, da es Deine Kompetenz unterstreicht.

Professionalität ist gefordert

Nicht vergessen solltest Du, einen professionellen Umgang mit Deinen möglichen Klienten zu pflegen. Hier kann es Sinn machen, sich eine Routine zu überlegen, die Du dann auch einhältst. Dazu gehören solche Dinge wie. Wie schnell rufst Du zurück? Wie gut bist Du erreichbar? Wie viel Zeit möchtest Du Dir für ein Vorgespräch nehmen? Ist dies kostenfrei oder kostenpflichtig? Wie schnell erstellst Du ein Angebot?, usw. Dies sind alles Kriterien, die dazu geeignet sind ein vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen.

Damit Du Dich von Anfang an professionell aufstellen kannst, ist eine Coaching-Ausbildung auf jeden Fall ein notwendiger Basis-Baustein für Deine Karriere als Coach. Hier lernst Du nicht nur Methoden kennen, sondern lernst vor allem Dein Persönlichkeitsprofil zu schärfen. Doch neben persönlicher und fachlicher Kompetenz gehört zum Coach-Sein auch ein nicht zu verachtender Unternehmergeist dazu. Ansonsten verwässert Dein Angebot und bleibt doch die Katze im Sack, die sich nicht raus traut ;-)

03. Januar 2017 Von Gelesen 191 mal 0 Kommentar

Im zweiten Teil der Artikelserie hast Du erfahren, wie wichtig es für Deine Trainertätigkeit ist, dass Du Dich selbst gut kennst und führen kannst. In der TZI, der Themenzentrierten Interaktion, nennt man das auch das „chairperson postulat“. Elementar ist es, sich selbst differenziert wahrnehmen zu können und Verantwortung für sein Tun zu übernehmen. Wichtig war mir auch, auf eine Grundkompetenz aufmerksam zu machen, die in direktem Zusammenspiel mit Dir als Leitungsperson steht: Folgen und Führen. Um eine lebendige Lernatmosphäre herzustellen, solltest Du ein gutes Gefühl dafür haben, wann Du in die Gruppenleitung gehst und wann Du der Gruppe „folgst“. Hier schließt sich auch der Kreis zur Führung von Menschen in Gruppen: Nur wer sich selbst gut führen kann, kann auch andere führen.

Heute geht es darum, ein großes „Schreckgespenst“ für Trainer, Dozenten oder Seminarleiter zu entschärfen: Konflikte. Dazu will ich Dir an einem Praxisbeispiel zeigen, wie Du produktiv mit Konflikten umgehen kannst und diese Motor für ein lernorientiertes Gruppenklima sein können.

Harmoniesüchtige oder „Krawaller“ im Training?

Eins vorweg: Störungen und Konflikte im Seminar sind normal. Wo Menschen miteinander arbeiten oder etwas gemeinsam tun gibt es unterschiedliche Sichtweisen, Herangehensweisen, Bedürfnisse, usw. Entscheidend ist für Dich als Trainer wie Du damit umgehst. In der Praxis gibt es sehr unterschiedliche Seminaraufträge: Wirst Du von einer Firma für ein Seminar zur Teamfindung gebucht, werden an Dich als Trainer ganz andere Anforderungen gestellt als in einem Seminar zur Entwicklung von soft skills. Der Auftrag bestimmt sehr Dein Leitungsverhalten. Anhand eines Praxisbeispiels will ich Dir verschiedene Handlungsmöglichkeiten beim Auftreten einer „Störung“ aufzeigen.

Ein ganz normaler Traineralltag…

Beispiel: In einem Führungskräftetraining mit 7 Teamleitern (vier Frauen, drei Männer) soll der konstruktive Umgang mit Konflikten geschult werden. Das Training findet in einem Seminarraum im Unternehmen statt und ist für 3 Tage angesetzt. Der Raum selbst hat viel Tageslicht und eine angenehme Arbeitsatmosphäre (Teppichboden, bequeme Stühle, Schrank mit Materialien wie Flipchart und Moderationskoffer, Kaffee und Getränke, usw.). Alle Teilnehmer kennen sich. Du beginnst mit einer ressourcenorientierten Einstiegsrunde. Da Du mehr über die Teilnehmer erfahren möchtest und neue Perspektiven erlebbar machen willst, lässt Du zirkulär fragen: Herr Meier, was würden Sie sagen, was sind die drei größten Stärken von Frau Schmitt? Dann fragst Du Frau Schmitt: „Was würden Sie sagen sind die drei größten Stärken von Frau Günther“, usw. Während der Gesprächsrunde bemerkst Du „Seitengespräche“, welche die Konzentration und die Aufmerksamkeit ablenken und den Fokus stören. Wie gehst Du damit um?

Vorsicht Trainerfalle…

Als unerfahrener Trainer beziehst Du möglicherweise die „Störung“ gleich auf Dich und fragst Dich: Was habe ich denn jetzt (schon wieder) falsch gemacht? Warum hören die nicht zu? Was soll denn dieser „Ungehorsam“? Und vielleicht weiter: „Ich fühle mich als Trainer überhaupt nicht ernstgenommen hier…und … deswegen bin ich gleich „beleidigt“ und will nicht mehr „mitspielen“…. Möglicherweise hoffst Du bereits jetzt, dass ein anderer mal „seine Kollegen“ zur Ordnung ruft. Das sei ja ein echter „Sauhaufen“ hier, schließlich wolle man ja ein Seminar zur Konfliktlösung besuchen…

Vielleicht musst Du jetzt schmunzeln, das hier aufgezeigte Beispiel mag lustig klingen. In dem Moment kann die Situation für den Trainer aber schnell unangenehm und „heiß“ werden, wenn Du nicht weißt was jetzt am besten zu tun ist. Vielleicht werden bereits jetzt „alte Muster“ aktiviert und es gab schon einmal Situationen, in denen Du das Gefühl hattest das Dir etwas „entgleitet“. Oder Du erinnerst Dich, wie Deine ersten Erfahrungen mit „Störungen“ und „Ungehorsam“ waren und denkst: „Die muss ich jetzt mal zur Ordnung rufen (oder brüllen)!.“ Und während Du gerade Dein „eigenes Konflikttraining in Dir selbst“ austrägst, quasseln die Seitengespräche munter weiter.

1. Schritt: Wahrnehmen was ist - Distanz und Meta Ebene als Leiter

Ein konstruktiver Schritt, um gelassen und angstfrei mit der Situation umzugehen ist, auf die Meta-Ebene zu wechseln.

„Äh…liebe Teilnehmer…ich habe gerade den Eindruck, dass etwas anderes wichtiger für Sie ist, als die Einstiegsrunde, ich nehme gerade recht viel Bewegung in der Gruppe wahr…..Pause….Es fällt mir gerade sehr schwer, Frau Schmitt konzentriert zuzuhören und ich kann mir vorstellen, dass Ihnen das ebenso geht…Pause…Ich frage Sie einfach, wie geht es Ihnen selbst gerade damit?“

Mit dieser „Intervention“ wechselst Du auf die Beobachtungsebene, auch „Meta“ genannt. Du sprichst sozusagen über das Seminargeschehen selbst und teilst mit, wie es Dir gerade damit geht. Damit beschreibst Du Deine momentane Wahrnehmung und bittest die Gruppenteilnehmer, ebenso zu beschreiben wie es für Sie ist.
Wichtig: Den Gruppenteilnehmern Zeit zu geben sich zu sammeln und ggf. zu äußern. Falls sich niemand „trauen“ sollte könntest Du einen Gruppenteilnehmer gezielt ansprechen:

„Herr Döppenschmidt, wie ist es für Sie gerade im Moment, wie nehmen Sie das wahr?“

Erstaunlich seine Antwort: “Ja, Herr Reitz, wie soll ich sagen. Es gibt im Moment ein Thema, was uns im Unternehmen sehr beschäftigt. Ein Teil unseres Unternehmens soll an eine Firma aus Kanada verkauft werden. Im Moment gibt es dazu Verhandlungen und die Unternehmensleitung ist sehr spärlich mit Ihren Informationen. Heute Morgen erst kam eine ganz kurze Meldung über das Intranet.“

In diesem Moment wird klar, dass ein „übergeordnetes Bedürfnis“ im Moment da ist und der Grund für die „Störung“. Wichtig ist, dass der Grund für die momentane „Gruppenbewegung“ benannt wird und die Menschen sich damit „gesehen und gehört“ fühlen.

„Ah, ich verstehe, ich kann mir vorstellen, dass dies eine große Unsicherheit bedeuten kann und vielleicht auch Zukunftssorgen“…..

Mehr muss darüber vielleicht gar nicht gesagt werden. Sollte das Thema aber sehr brisant sein, könntest Du genau diesen Anlass auch „utilisieren“ und zum Gegenstand des Seminarthemas machen.

„Ich sehe, das beschäftigt sie sehr. Wäre es für Sie OK, wenn wir die Einstiegsrunde noch beenden und anhand dieses aktuellen, brisanten Anlasses zum Thema innere und äußere Konflikte gehen?“

Mit dieser Eingabe könntest Du ganz aktuell und praxisnah zum Thema innere Konflikte arbeiten.

Beispiel für inneren Konflikt: im Seminar das Seminargeschehen verfolgen / mit den Kollegen über die aktuellen Ereignisse sprechen

Beispiel für äußeren Konflikt: Das Unternehmen weiterentwickeln / Angst vor Arbeitsplatzverlust und Veränderung.
So wäre das Thema des Seminars direkt anschlussfähig an das Thema, das zweifellos im Moment eine hohe Betriebstemperatur hat. Gesagt werden muss aber auch: Das genannte Vorgehen erfordert mutiges, entschlossenes und kreatives Trainerhandeln und erfordert sicher auch Erfahrung.

Dein „Handwerkskasten“ als Trainer

Zeigen wollte ich Dir an einem alltäglichen Praxisbeispiel, wie Du Konflikte ganz praktisch (ohne Angst!) in Dein Seminargeschehen integrieren kannst und für das Lernen der Teilnehmer nutzbar machst. Selbstverständlich gäbe es noch viel mehr Möglichkeiten, in der oben genannten Situation zu reagieren. Je nach Seminarthema und Kontext könnte eine andere Vorgehensweise viel sinnvoller und hilfreicher sein, als die hier gezeigte Möglichkeit.

Du möchtest „Dein persönliches Konfliktset“ aufbauen oder ausbauen und in „brenzligen“ Situationen vielfältiges Handwerkszeug haben?

Am 8. Februar beginnt unsere Strukturierte Trainerausbildung bei Frankfurt am Main.

Im nächsten Artikel zeige ich Dir, wie Du einen sagenhaften Lerntransfer schaffst in dem Du das wichtigste Kapital Deiner Teilnehmer aktivierst und ins Seminargeschehen bringst.

29. Dezember 2016 Von Gelesen 203 mal 0 Kommentar

Trainer RegelnZum Jahresende, möchte ich Dir ein paar Tipps für Deine Trainerkarriere mit auf den Weg geben.

Ich habe sie so aufgeschrieben, wie sie mir eingefallen sind. Das heißt die Reihenfolge ist rein zufällig. Vielleicht sagst Du während des Lesens: “Das ist doch wohl selbstverständlich. Das weiß doch jeder.“ Doch hier kommt der Unterschied zwischen Wissen und Können bzw. Umsetzung ins Spiel. Mit Sicherheit wirst Du vieles aus Deiner eigenen Erfahrung als Seminarteilnehmer kennen und hast Dir damals gedacht: „Wenn ich Trainer bzw. Trainerin wäre, dann würde ich das aber so und so machen.“ Und nun ist es soweit, dass Du eigene Seminare, Kurse oder Workshops anbietest und Dich selber unter Beweis stellen musst.

Die nachfolgende Auflistung ist nur als Anregung zu verstehen. Es gibt noch viel mehr, auf das es zu achten gilt. Vieles von dem wirst Du sicher schon anwenden, anderes fällt Dir vielleicht noch schwer. Als Trainer ist neben dem Fach- und Methodenwissen auch die eigene Trainerpersönlichkeit im Spiel. Deren Entwicklung braucht manchmal Zeit und ehrliches Feedback. Nun aber los.

Trainer Do`s - Darauf solltest Du achten

  • Versuche zu Beginn des Seminars das „Eis zu brechen“. So kommen alle miteinander in Kontakt.
  • Solltest Du eine Power Point-Präsentation halten, sorge auch für entsprechende Ausdrucke.
  • Versuche Deine Kursteilnehmer zu aktivieren.
  • Nimm Dir am Anfang eine Minute Zeit: Nur zum atmen. Das hilft Dir, Dich auf die Gruppe zu fokussieren.
  • Lass Dir am Ende des Seminars Feedback geben.
  • Fördere die Interaktion unter Deinen Seminarteilnehmern.
  • Gib eine Agenda heraus, so dass sich Deine Teilnehmer orientieren können.
  • Formuliere zu Beginn Grundregeln.
  • Plane Zeit für Fragen und Diskussionen ein.
  • Stelle Dich auf Deine Zielgruppe ein.
  • Zeige, dass Du für das jeweilige Thema „brennst“.
  • Informiere Dich vorab über Deine Zielgruppe.
  • Bereite Dich gewissenhaft vor: Deine Kunden haben es verdient.
  • Bleibe bei aller Planung flexibel.
  • Zeige, dass Du das Material kennst, welches Du verteilst.
  • Teile Beispiele, Geschichten und Erfahrungen mit Deinen Seminarteilnehmern.
  • Behalte stets die Kontrolle über die Durchführung des Seminars bzw. Workshops.
  • Lass Deine Seminarteilnehmer mit einem Lächeln nach Hause gehen.
  • Sorge für emotionale Beteiligung.
  • Gib ein strukturiertes Skript heraus.
  • Entwickle Sinn für Humor.
  • Nimm Dich nicht zu wichtig.
  • Lass Deinen Teilnehmern Zeit auf Fragen zu antworten.
  • Nutze das Fachwissen der Gruppe.
  • Nutze kleine Gruppendiskussionen zur Erweiterung des Themas.
  • Denke daran erlerntes Wissen zu überprüfen. Das stärkt die Selbstwirksamkeit jedes Einzelnen.
  • Kleine Snacks und Getränke werden gerne genommen ;-).
  • Wiederhole Fragen und Kommentare, so dass jeder sie hören kann.
  • Sorge für einen pünktlichen Start und ebenso für ein pünktliches Ende. Das unterstreicht Dein strukturiertes Vorgehen.
  • Sei offen für andere Gedanken und Meinungen.
  • Achte auf ausreichende Pausen.
  • Schaffe eine angenehme Trainingsumgebung.
  • Sprich verschiedene Lerntypen durch unterschiedliche Methoden an.
  • Versuche möglichst viel Praxisbezug herzustellen.


Trainer- Dont`s - Hierauf solltest Du möglichst verzichten

  • Duze Deine Teilnehmer, ohne vorher zu Fragen. Damit schaffst Du sofort Nähe.
  • Bereite Dich möglichst wenig vor. Das zeigt wie spontan Du bist.
  • Lies Deine Power-Point-Folien ab.
  • Präsentiere in monotoner Stimmlage.
  • Beeil Dich möglichst, damit Du viel Stoff in kürzester Zeit vermitteln kannst.
  • Überfordere Deine Lernenden, denn nur so lernen sie ihre Grenzen kennen.
  • Sprich besonders schnell, damit jeder merkt, dass Du viel weißt.
  • Bewege Dich möglichst viel vor den Zuhörern. Das unterstreicht Deine Dynamik.
  • Lass Dich auf jedes Nebengespräch ein, das zeigt wie flexibel Du bist.
  • Ignoriere Teilnehmer, die Dir nicht sofort sympathisch sind.
  • Stelle Fragen, auf die Du selbst die Antwort nicht weißt.
  • Erweitere die Pausen, je nach Deiner Tagesverfassung.
  • Unterstreiche Deine Expertise, indem Du häufig Fremdwörter oder Abkürzungen benutzt.
  • Geh immer davon aus, dass alle den gleichen Wissensstand haben.
  • Biete individuelle Anfangs- und Endzeiten an.
  • Beginne erst, wenn auch wirklich der letzte Kursteilnehmer eingetroffen ist.
  • Beende den Seminartag möglichst früh.

Was ist für Dich ein absolutes No-Go als Trainer? Ich bin gespannt!!

Dies alles, und noch viel mehr kannst Du in unserer Trainer-Ausbildung lernen, die am 08.02.2017 beginnt :-))

20. Dezember 2016 Von Gelesen 250 mal 0 Kommentar

Im ersten Teil der Reihe „Gruppenleitung ohne Angst“ hast Du bereits erfahren, wie Grundbedürfnisse von Menschen (in Gruppen) zu ganz unterschiedlichen Verhaltensweisen führen können. Diese individuellen Bedürfnisse in der Theorie zu kennen, sowie in der Trainerpraxis zu handhaben ist eine der wichtigsten Aufgaben als Dozent, Gruppenleiter oder Referent. Anhand der Grundhaltungen (Axiome) der Themenzentrierten Interaktion (TZI) leiten sich daraus praktisch umsetzbare Handlungsstrategien ab. Eine Grundprämisse ist dabei eine kooperative und menschenwürdige Arbeitshaltung.

Im heutigen Teil 2 will ich Dir zeigen, warum Folgen und Führen zum absoluten Grundhandwerkszeug des erfolgreichen Trainers gehört, und warum dies untrennbar mit der Ausbildung Deiner Leitungspersönlichkeit verbunden ist.

Führe erst Dich, dann andere - ein Grundsatz für Trainer

Vielleicht bist Du der Meinung, dass ein Kursleiter eigentlich nichts anderes macht, als jemandem was „beizubringen“. Solltest Du dieser Meinung sein: Glückwünsch! Ein Seminarleiter macht im Grunde genau das. ;-) Dabei ist der größte Fachmann in einem Thema nicht automatisch auch ein guter Referent. Um Weiterbildungsprozesse zu gestalten gehört also eine ganze Menge mehr dazu, als nur in seinem Metier gut zu sein. Da Du in Bildungsprozessen andere durch „Entwicklungslandschaften“, also durch neues Terrain führst, solltest Du eine sehr gute Wahrnehmung und Selbsteinschätzung haben, auch für Dich, am besten gestützt durch Feedback von außen. So bekommst Du Rückmeldung und kannst neue Stärken an Dir entdecken. Wahrscheinlich wirst Du aber auch Feedbacks von anderen bekommen, in denen sich möglicherweise „Schwächen“ offenbaren, an denen Du arbeiten möchtest. Dies kann im ersten Moment unangenehm sein, ist aber wichtig: Dadurch kann sich mehr und mehr Dein Selbstbild mit dem Fremdbild angleichen und Du erfährst von Anderen, wie Du wirkst. In der Themenzentrierten Interaktion nennen wir das oben beschriebene auch: Sei Dein eigener „Chairman“, also die eigene Führungsperson.

Der Blick in die eigene Biografie als Trainer

Da in der Arbeit mit Gruppen sehr schnell Übertragungsphänomene auftauchen können (gemeint sind Interaktionsmuster, die in früheren Sozialbeziehungen gebildet wurden und in anderen Beziehungskonstellationen unbewusst „reinszeniert“ werden), macht es Sinn, Dein eigenes Verhalten in Gruppen zu reflektieren. Mit Gruppen sind hier z. B. Rollen in der Herkunftsfamilie oder Gegenwartsfamilie gemeint, aber auch Rollenbilder in Schulklassen, Vereinen, usw. So leben wir (einen Teil) unserer eigenen Biografie auch in der Rolle des Trainers aus. Das lässt sich nicht vermeiden und ist im Grunde auch kein Problem, so lange Du mit den in diesem Kontext auftauchenden Gefühlen umgehen und handeln kannst. Da Du als Leiter auch Autorität bist, solltest Du Dir klar werden, wie Du selbst zu dem Thema „Autorität“ stehst.

Ein Beispiel:

Der Leiter einer Bildungsveranstaltung zum Thema „Knigge“ merkt, dass er immer wieder innerlich in „starke Anspannung“ gerät, wenn in der Teilnehmerschaft im Seminar ein Mitglied der Weiterbildungsgruppe kritisiert wird. Ihm fällt ein, dass er diese Situation aus seiner Herkunftsfamilie kennt, da seine Eltern sehr kritisierend, streng und autoritär waren. Er empfindet das sehr schnell als Bedrohung des „Schwächeren“ und spürt sofort den Impuls, sich mit dem Teilnehmer gegen den „Rest“ zu verbünden. Das führt dazu, dass er schnell das Gefühl hat die Kontrolle über das Geschehen zu verlieren und sehr früh in "die Leitung" geht.  In der Reflexion dieses Gefühls und in der Entwicklung alternativer Umgangsweisen lernt er, den Teilnehmern mehr zuzutrauen und in Diskussionen oder im Meinungsaustausch mehr zu „Folgen“. Damit erweitert er seine persönlichen Grenzen und wird im Umgang mit seinen Gefühlen (von Angst und Bedrohung) mutiger . Er erweitert sozusagen seine Grenzen. Das ist für ihn möglich, da er die Herkunft dieses Gefühls für sich zuordnen kann. Im Seminar erreicht er dadurch gleichzeitig eine größere Beteiligung und Sichtbarkeit der Teilnehmer, was deutlich zur Lebendigkeit und Interesse im Seminar führt. Für den Leiter in diesem Beispiel war es sozusagen wichtig, mit diesem für ihn (früher wichtigen!) Gefühl in Kontakt zu kommen und im Hier und Jetzt neue Erfahrungen zu machen.

Folgen oder Führen als Trainer?

Als Gruppenleiter solltest Du ein gutes Gespür dafür bekommen, wann es sinnvoll ist im Seminar zu „Folgen“. Das kann ein Beitrag eines Teilnehmers sein im Sinne von Bestätigung des Gesagten. Genauso aber auch eine Kritik im Sinne einer anderen Meinung. Möglicherweise ergibt sich über unterschiedliche Standpunkte auch eine Diskussion oder ein Meinungsaustausch. Das kann je nach Kontext und Aufbau des Seminars sehr belebend und befruchtend sein. Wichtig ist der Moment, in dem Du wieder die Führung übernimmst. Den Teilnehmern signalisierst Du dadurch auch das wichtige Gefühl von Sicherheit und Struktur, dass Lernprozesse überhaupt erst ermöglicht.

Der Beitrag wollte an oben genanntem Beispiel deutlich machen, wie wichtig die Ausbildung der eigenen Trainerpersönlichkeit ist. Es gehört also viel mehr dazu, als „nur“ Methoden der Wissensvermittlung zu kennen und anzumoderieren. Wer Gruppen leitet, ist nicht nur mit der „Trainerrolle“ präsent. Vielmehr vereint sich in der „Aktion“ der Leitung das eigene Agieren und natürlich auch die eigene Überzeugung, wie Leitung und Führung zu sein hat. Diese Prozesse sind übrigens sehr ähnlich wiederzufinden, wenn Du Menschen als Führungskraft begleitest.

Du möchtest darüber noch mehr erfahren und vor allem Erfahrungen damit in der Praxis machen? Am 8. Februar beginnt unsere Strukturierte Trainerausbildung. Dort lernst Du, wie Du spannende Lernprozesse aufbaust, Dich selbst als Trainerpersönlichkeit weiterentwickelst und für erfolgreichen Wissenstransfer sorgst. In der dritten und letzten Folge der Reihe „Gruppenleitung“ ohne Angst möchte ich Dir zeigen, wie Du Konflikte konstruktiv für das Seminargeschehen nutzen kannst.

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