11. April 2017 Von Gelesen 150 mal 0 Kommentar

Coaching oder PsychotherapieGroße Verunsicherung von Seiten des Coaches kann entstehen, wenn Klienten im Coaching von zurückliegender, psychischer Erkrankung sprechen. Ist die psychische Erkrankung vielleicht wiedergekommen? Kann ich hier trotzdem ein kompetenter Coach sein? Was ist, wenn das aktuelle Coaching-Anliegen auch eine psychische Erkrankung ist oder damit irgendwie im Zusammenhang steht? In diesem Artikel möchte ich Dir helfen, klarere Grenzen für den Umgang mit den genannten Fragestellungen zu ziehen.

Was ist der Unterschied zwischen Coaching und Psychotherapie?

Wo hört Coaching auf, wo fängt Therapie bzw. Psychotherapie an? Wie kann ich als Coach Sicherheit bekommen? Diese Fragen wurden auch in unserer Coaching-Ausbildung schon mehrfach gestellt. Als Hilfe soll diese Unterscheidung dienen: Coaching ist die Arbeit mit prinzipiell psychisch gesunden Menschen, die aktuell in einer Konflikt- oder Krisensituation (z.B. vor wichtigen Entscheidungen) Orientierung suchen. Von psychischer Erkrankung sprechen wir, wenn Leiden mit Krankheitswert zu verzeichnen sind. Krankheitswert definiert sich nach gültigem Standard nach der ICD-10, der sogenannten internationalen Klassifikation der (psychischen) Störungen. Als „medizinischer“ Laie ist es aber unmöglich, nun diesen ganzen „Störungskatalog“ im Hinterkopf zu haben.

Beispiele für psychische Störungen im Coaching

Hinweise auf psychische Störungen können nur zu einem sehr kleinen Teil an der äußeren Erscheinung festgemacht werden. Vor allem im Gespräch sollten bestimmte Hinweise auf psychische Erkrankungen erkannt werden können.

Hilfreiche Hinweise können sein:

  • Berichtet der Klient, dass ihm alles sehr schwer falle und ihm Dinge die er gerne getan hat nun keine Freude mehr machen?
  • Klagt er über schlechten Schlaf oder mangelnden Appetit?
  • Äußert er, dass er seit einigen Wochen unter „gedrückter Stimmung“ leide?
  • Spricht er möglicherweise Sätze wie „Alles macht keinen Sinn“, „ohne mich ginge es allen besser“ oder „ich bin anderen nur eine Last“?

Diese Hinweise könnten auf eine depressive Verstimmung oder depressive Episode hinweisen. Im letzten Punkt könnte auch eine suizidale Einengung vorliegen. Das heißt: Der Klient deutet Suizidgedanken an. Solche Hinweise sollten sehr ernst genommen werden und der Klient sollte motiviert werden, sich in diesem Falle einer ärztlichen Abklärung zu unterziehen. Depressive Störungen können bzw. könnten vielerlei Ursachen haben. Es gab auch schon Fälle, in denen Klienten von Ereignissen (z.B. Tod eines Angehörigen, Arbeitslosigkeit oder ähnliches) berichten, die erst wenige Wochen her sind. Manchmal können solche Situationen bzw. Ereignisse Auslöser für Krisen sein und eine sogenannte „reaktive psychische Störung“ kann vorliegen. Hiermit gemeint ist eine Reaktion aufgrund eines „Verlustes“ oder eines „außergewöhnlichen“ Ereignisses.

Ein anderer Fall: Die Klientin berichtet außergewöhnlich viel von Ängsten, die mehrere Lebensbereiche betreffen. Sie hat Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Außerdem bereitet ihr Sorge, ihr Mann oder ihre Kinder könnten ernsthaft erkranken. Dazu kommt, dass sie selbst das Gefühl hat, immer unsicherer zu werden und dass dies auch ihre Lebensfreude und ihr Lebensgefühl sehr beeinträchtige. Diese Anzeichen können einen Hinweis geben auf eine „generalisierte Angststörung“, die in fachkundige Abklärung und Behandlung gehört.

Kann ein Coach auch bei psychischen Störungen helfen?

Ein klares JA! Allerdings sollte die psychische Störung durch entsprechende, kompetente Hilfe (zum Beispiel mit Psychotherapie) durch eine Fachperson behandelt werden. Die Aufgabe eines Coaches beim Verdacht auf eine psychische Störung könnte darin liegen, den Klienten zu motivieren sich entsprechende ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe zu suchen. Idealerweise kann der Coach hierbei behilflich sein, in dem er in seinem Netzwerk entsprechende Fachleute empfehlen kann. Coaching kann auch parallel zu einer Behandlung durch einen Therapeuten sehr gute Dienste leisten. So ist es in meiner Coachingpraxis schon vorgekommen, dass es neben der therapeutischen Begleitung auch ein Coaching-Anliegen gab. Aber: Therapie ist kein Coaching und ein Therapeut auch kein Coach, das muss klar gesagt werden. Das gleiche gilt übrigens auch umgekehrt: Ein Coach ist per Definition kein Therapeut. So ist es bereits mehrfach vorgekommen, dass Klienten für die biografische Aufarbeitung von Vergangenem therapeutische Hilfe in Anspruch nahmen und zusätzlich bei mir ein Coaching buchten für aktuelle berufliche Weichenstellung. Wichtig ist, und das soll noch einmal deutlich werden, dass mögliche therapeutische Anliegen von Fachpersonal behandelt werden müssen.

Sicherheit im Grenzbereich: Zulassung als Heilpraktiker (Psychotherapie) für den Coach

Vielleicht hast Du beim Lesen des Artikels oder bereits in Deiner Praxis bemerkt, dass die Abgrenzung zwischen der Tätigkeit eines Coaches und der eines Therapeuten fließend sein kann. Insbesondere in Krisensituationen sind bestimmte Reaktionen einer normalen Konfliktverarbeitung zuzuschreiben, die man anderorts auch als „pathologisch diagnostizierbar“ beschreiben könnte. Um im Grenzbereich von Coaching und Therapie sicher bewerten und entscheiden zu können, halten wir die Zulassung als Heilpraktiker (Psychotherapie) für hilfreich und sinnvoll. Du erhältst dadurch profundes Wissen welches Dir hilft, bessere Abgrenzungen zu ziehen und ganz einfach professioneller zu handeln. Darüber hinaus erhältst Du Rechtssicherheit, um auch in Grenzbereichen arbeiten zu können. Außerdem kannst Du die Formate Psychotherapie und Coaching noch besser einordnen und bei entsprechendem fachlichem Background, wäre somit auch die Durchführbarkeit einer psychotherapeutischen Behandlung durch Dich möglich.

01. April 2017 Von Gelesen 35 mal 0 Kommentar

Burnout und CoachingWenn Mitarbeiter und Kollegen über Burn-Out klagen

Da ich in meiner Coaching-Praxis häufig mit Menschen zu tun habe, die über Burnout klagen, möchte ich mich heute diesem Thema widmen um besonders Führungskräfte bzw. Personalverantwortliche für dieses Thema zu sensibilisieren.

Burnout ist schon länger in aller Munde. Trotzdem ist es keine neuzeitliche Erscheinung. Schon in früheren Zeiten gab es Symptome die dem Burn-Out ähnlich waren. Nur trugen sie dann andere Namen wie chronische Erschöpfung, reduzierte Leistungsfähigkeit, Depression. Unsere heutige Gesellschaft, in der Zeitmangel, Wettbewerbsdruck, Status und das Streben nach Macht zugenommen haben, trägt sicher ihren Teil bei. Darüber hinaus existiert Burn-Out in den verschiedensten Berufsgruppen. Es ist also nicht beschränkt auf Manager oder Spitzenverdiener. Auch ganz „normale Mitarbeiter“ können an dem Gefühl des „Ausgebranntseins“ leiden. Begünstigt wird es in aller Regel sowohl durch sogenannte äußere Faktoren, wie soziale, wirtschaftliche und private Umweltfaktoren als auch durch Variablen, die in der Persönlichkeit (innere Faktoren) begründet liegen.

Ist Burnout eine Krankheit?

In vielen Fällen ist unklar, worin genau die Ursache eines Burnouts bei den Betroffenen liegt. Deshalb gilt Burn-Out gemäß ICD-10 (Internationale Klassifizierung von Erkrankungen) „noch“ nicht als Krankheit. Es ist jedoch anerkannt, dass ein Burnout den Gesundheitszustand beeinflusst. Auch wenn es keine Krankheit ist, lässt sich ein Burnout anhand verschiedener Faktoren „diagnostizieren“.

Wenn Sie als Personalverantwortlicher an einem Ihrer Mitarbeiter folgende Symptome wahrnehmen, könnten Sie an ein Burnout denken:

  • Emotionale Erschöpfung: Er oder sie kann sich für nichts mehr begeistern, entwickelt keine Freude mehr (am Arbeitsplatz und privat).
  • Depersonalisation: Der Mitarbeiter entfremdet sich vom Umfeld, interessiert sich nicht mehr für Mitmenschen. In Beziehungen (auch zu Kunden) verhält er sich unangebracht, zynisch.
  • Leistungsunzufriedenheit: Man ist mit der eigenen Leistung nicht zufrieden, hat höhere, vermeintlich unerreichbare Anforderungen an sich selbst.

Nun kann man sich die Frage stellen, wodurch ein Burnout konkret ausgelöst werden kann.

Durch mein Coaching von Führungskräften, sind mir folgende Umstände bekannt die ein Burnout begünstigen können:

  • Gehaltsmodelle mit niedrigem Fixum und verhältnismäßig hohem variablem Anteil
  • Schleichende Erwartung der ständigen Erreichbarkeit
  • Unzureichende Stellvertreter-Regelung
  • Tolerierung von Intrigen und Mobbing

Neben diesen durch das Unternehmensumfeld möglichen Auslöser gibt es auch solche aus dem privaten Umfeld:

  • Kredit für das Haus muss abbezahlt werden
  • Partner bzw. die Partnerin erwartet mehr
  • Gleichaltrige Freunde sind im Job schon „viel weiter“ usw.

Doch wie schon am Anfang erwähnt, können nicht nur äußere, sondern auch innere Faktoren ein Burnout begünstigen. Das heißt, es gibt Persönlichkeitsmerkmale, die auf ein erhöhtes Burnout-Risiko hinweisen.

Zum Beispiel:

  • Mühe, sich ausreichend abzugrenzen
  • "Nein" zu sagen ist herausfordernd
  • Perfektionismus
  • Ausgeprägter Drang, anderen Menschen zu helfen
  • Unzureichendes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten
  • Mangelnde Kontrollüberzeugung
  • Neigung zu Irritation oder Sorgen
  • Bedürfnis nach Anerkennung

Was können Sie, als Führungskraft bzw. Personalverantwortlicher, tun, um einem Burnout Ihrer Mitarbeiter vorzubeugen?

Klar ist, dass jeder Tag an dem ein Mitarbeiter im Unternehmen fehlt Kosten verursacht. Es lohnt sich also, auf wirkungsvolle Prävention zu setzen. Präventionsmaßnahmen können durch eine entsprechende Unternehmenskultur sowie spezielle Angebote für Arbeitnehmer ergriffen werden.

Folgende Möglichkeiten können helfen ein Burnout zu vermeiden:

  • Faire Feedbackkultur
  • Konstruktiver Umgang mit tolerierbaren Fehlern
  • Tätigkeitsvielfalt oder Möglichkeit von Jobrotationen
  • Stressreduktion durch weitsichtige Planung
  • Wechsel der Umgebungen („Tapetenwechsel“)
  • Sinnvolle und kooperative Urlaubsplanung
  • Ansprechstellen für individuelle Betreuung (vertraulich/anonym)
  • Klima von Anerkennung und Wertschätzung

Hilfreich können hierbei externe oder interne Coachings, Teamworkshops oder andere Entwicklungsprogramme sein. Nicht selten besuchen auch Personalverantwortliche eine entsprechende Coaching-Ausbildung, entweder um selber als interner Coach tätig zu werden oder um die Arbeit externer Coaches qualitativ beurteilen zu können.

Wenn Sie oder Ihre Mitarbeiter Erfahrungen im Umgang mit Burnout haben oder Sie hilfreiche Präventivmaßnahmen in Ihrem Unternehmen eingeführt haben, dann freue ich mich auf Ihren Kommentar.

01. April 2017 Von Gelesen 125 mal 0 Kommentar

Coach und Kommunikation

Erwartungen an einen Coach

„Ihr müsst doch super glückliche Menschen sein. Ihr wisst, wann welche Frage in einem Gespräch sinnvoll und passend ist. Ihr wisst, wie Beziehungen gestaltet werden und Ihr wisst wie man mit "schwierigen Klienten" umgeht. Da kann doch auch im Privatleben eigentlich nichts mehr schief gehen, oder?“ So, oder so ähnlich äußerte sich eine Teilnehmerin in unserer Coaching-Ausbildung als es um das Thema Kommunikation ging.

Diese Äußerung brachte mich dazu, noch mal darüber nachzudenken welches Bild sich Klienten unter Umständen von einem Coach machen und inwiefern dieses mit der Realität übereinstimmt.

Folgende Äußerungen von Klienten kamen mir dabei wieder in den Sinn:

  • Coaching hat doch viel mit Psychologie zu tun, oder?
  • Haben Sie, als Coach, überhaupt mal mit jemandem Streit?
  • Sie haben doch bestimmt für jeden Verständnis.
  • Um als Coach arbeiten zu können, muss man bestimmt viel lernen.
  • Sie kommen doch bestimmt mit jeder Situation klar.
  • Sie denken doch bestimmt über jeden Satz nach bevor Sie ihn aussprechen.
  • Dank Ihrer Coaching-Praxis sind Sie doch bestimmt immer reflektiert.
  • Sie nehmen doch sicher nichts persönlich.
  • Usw.

Wenn ich diese Fragen bzw. Aussagen so lese, stelle ich mir vor wie es wäre, wenn ich zu einem Arzt sagen würde:

  • Sie haben bestimmt noch nie geraucht.
  • Sie ernähren sich bestimmt super gesund.
  • Sie treiben bestimmt regelmäßig Sport.
  • Sie tun bestimmt alles dafür, dass Sie gesund bleiben.

Und, ist das so? Was passiert hier? Ich projiziere meine Idealvorstellungen auf den Arzt. Dieser sagt dann vielleicht: „In meiner Jugend habe ich viel geraucht und heute rauche ich noch ab und an. Das mit der gesunden Ernährung ist so eine Sache... Ach wissen Sie, ich arbeite so viel, da komme ich gar nicht immer zum Sport. Im Großen und Ganzen versuche ich gesund zu bleiben.“

Das heißt, ich würde feststellen, dass der Arzt unter Umständen auch nicht so "perfekt" ist wie ich vielleicht gedacht habe und dass er dies zur Ausübung seines Berufes auch nicht sein muss.

So ähnlich ist es auch mit den Erwartungen, die man vielleicht an uns als Coach stellt. DAs geht nicht nur meinen Kolleginnen und Kollegen so sondern auch schon den TeilnehmerInnen unserer Coaching-Ausbildung.

Es kann immer sein, dass Menschen zu uns kommen, die eine sehr hohe Erwartung an uns haben. Und die glauben bzw. hoffen, wir wären im Privatleben genauso professionell wie im Job. Das ist natürlich ein erstrebenswertes Ziel. Doch setzt hier unsere Reflexionsfähigkeit ein, die uns immer wieder aufzeigt in welchen Bereichen wir noch besser werden können. Wahrscheinlich haben wir als Coaches eine Menge Handwerkszeug dabei das uns in vielen Situationen helfen kann. Das bringt die Arbeit so mit sich.

Doch halte ich es für menschlich, im Privatleben nicht ständig perfekt kommunizieren und jede Situation im Griff haben zu müssen. Es gibt doch bei jedem Menschen Situationen, die einen persönlich so treffen, dass wir einfach mal mit jemandem streiten möchten ohne Verständnis für die Meinung des anderen.

Das darf einfach mal sein, solange wir hinterher darüber reflektieren... ;-)

29. März 2017 Von Gelesen 280 mal 0 Kommentar

systemischer coach werden in frankfurtDas Wort "systemisch" oder "systemischer Coach" sind Begriffe, die im Moment stark nachgefragt werden. Im Rahmen von Fachweiterbildung für angehende Coaches, aber auch für Führungskräfte und Personalverantwortliche, treten die systemische Haltung im Umgang mit Mitarbeitern und Kollegen immer mehr in den Vordergrund. Im Unternehmenskontext spricht man manchmal auch von Kommunikationskultur, die im Rahmen von einem Unternehmensleitbild entwickelt oder gefördert werden soll. im nachfolgenden Artikel will ich aufzeigen, was einen systemisch arbeitenden Coach ausmacht und wie wichtig dazu die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit ist.
Grundregel als systemischer Coach: Meine Welt...deine Welt. Ein systemischer Coach weiß, dass es die EINE Welt bzw. EINE Wirklichkeit nicht gibt. So arbeitet er immer mit subjektiver Realität, also mit der Realität, die für den Klienten als real empfunden wird.


Ein Beispiel aus der Praxis:

Eine Betriebswirtin Mitte 40 kommt ins Karrierecoaching. Sie berichtet, dass ihr Betrieb von Umstrukturierung betroffen war und sie dadurch Ihren Job verloren hat. Der "Bruch" mit ihrem alten Arbeitgeber bedeutete für Sie einen großen Einschnitt. Sie war bei allen stets beliebt und machte sogar unbezahlte Überstunden. Umso überraschender erreichte sie die Kündigung, die sie bis heute noch nicht verstehen kann. Über das Arbeitsgericht hatte sie eine Abfindung in Höhe von 120.000 Euro erstritten. Sie berichtet weiter, dass sie von großen Existenzängsten geplagt ist, auch wenn sie das Einkommen eigentlich nicht bräuchte. Ihr Mann ist Ingenieur und hat ein gutes Einkommen, das für beide reichen würde.

Das Beispiel soll zeigen, dass die Dame im Coaching "objektiv" keine Ängste zu haben bräuchte. Die gezahlte Abfindung würde problemlos reichen, zwei Jahre ohne Arbeitsstelle zu überbrücken. Noch dazu hat der Mann ja ein gutes Einkommen, das für beide reichen würde. An der Fallvignette soll klar werden, dass es aber nicht um die Weltsicht des Coaches geht, sondern um die erlebte Realität der Klientin. Ein systemisch arbeitender Coach weiß also, dass genau mit dieser "Subjektivität" gearbeitet wird und er den Klienten in seiner Welt abholen muss.
Perspektivenwechsel durch systemischen Coach. Genau an oben genanntem Aspekt knüpft auch das Aufzeigen von anderen, möglichen Wirklichkeitsaspekten durch Perspektivenwechsel an. So könnte tatsächlich der erlebte "Bruch" die "Schnittstelle" sein, etwas ganz neues zu machen. Der systemisch arbeitende Coach weiß also, dass Menschen an Ihrer subjektiv empfundenen Realität leiden können. Mit Hilfe eines anderen Aufmerksamkeitsfokus könnte ein ganz neuer Punkt in den Vordergrund treten. Eine systemische Frage dazu wäre zum Beispiel: Für was ist ihr Problem eine Lösung?

Ressourcenorientierung als systemischer Coach

Wie oben gezeigt, bestimmt das individuelle Weltbild und die Aufmerksamkeit auf bestimmte Aspekte, wie Ereignisse aufgefasst oder interpretiert werden. Die Entlassung wurde als "Bruch" empfunden und als großen Einschnitt in die eigene Selbstwirksamkeit. Dies geht soweit, dass Ängste entwickelt werden gegenüber der Zukunft, die sich auch schon auf andere Lebensbereiche übertragen (Angst, keine adäquate Arbeitsstelle mehr zu finden). Der systemische Coach weiß, dass die Fokussierung auf ganz bestimmte Situationen oder Gedanken Realität schafft. Im genannten Fall nimmt die Beschäftigung mit dem als problematisch erlebten Ereignis einen großen Raum ein. Der systemische Coach würde dieses Verhaltensmuster versuchen zu unterbrechen mit Fragen wie: Was läuft gut im Moment? Was darf so bleiben wie es ist? Wie würden sie in 3, 5, 10 Jahren an die Zeit heute zurückdenken? Könnten sie sich vorstellen, dass die momentane Situation auch etwas Gutes haben könnte?

Innere Haltung als systemischer Coach: Der Klient ist Experte

Er soll Experte sein, sucht sich aber einen Coach? Wie soll das zusammenpassen? Der systemisch arbeitende Coach geht davon aus, dass der Klient seine eigene Welt am besten kennt. Schließlich hat er es bis zum heutigen Tage geschafft, sein Leben zu leben, sich Herausforderungen zu stellen, Probleme zu bewältigen, Kompetenzen zu entwickeln und vieles mehr. Auch hat der Klient im Laufe seines Lebens viele Ressourcen entwickelt. Würde der systemische Coach dem Klienten Ratschläge erteilen oder seine Situation vielleicht bagatellisieren (sehen sie das mal nicht so eng, sie haben doch jetzt erstmal ein finanzielles Polster, ihr Mann verdient doch gut), könnte sich das in einem "nicht-Ernst-nehmen" ausdrücken. Warum ist nun der Klient Experte in seiner Welt? Als Coach gehen wir davon aus, dass der Klient wichtige Ressourcen entwickelt hat und diese vielleicht in anderen Situationen schon angewendet hat. Systemische Fragen dazu wären zum Beispiel: Hatten sie schon einmal eine ähnliche Situation, in denen sie solche Ängste hatten? Was war da hilfreich? Mal angenommen, wir würden ihren Lebenspartner fragen wie sie diese Krise gemeistert haben, was würde er sagen?

Wer andere führen will, muss sich selbst gut führen können

Als systemischer Coach ist klar: Menschen lernen durch Erfahrungen, die sie in ihrem Leben machen. So lässt sich der Umgang mit Menschen im Coaching in der Regel nicht durch ein Literaturstudium oder kognitives Wissen erlernen. Praktisches know-how ist gefragt. Ein Umstand der unmittelbar einleuchtet. So lässt sich beispielsweise eine Sportart wie Volleyball nicht durch das Lesen von Büchern erlernen. Es braucht dazu fachliche Anleitung, Übung und Unterstützung durch Feedback und Motivation. Wichtig in der Ausbildung von praktischer Handlungskompetenz als systemischer Coach ist, auch eigene Themen zu integrieren, sich dadurch weiterzuentwickeln und zur einer Führungskraft von sich selbst zu werden.

Erprobtes Toolset als systemischer Coach - Klasse statt Masse

Zu guter letzt soll das Handwerkszeug des systemischen Coaches angesprochen werden. Gemeint ist hierbei der geübte Umgang mit praxistauglichen Interventionen. Verständlich ist dabei manchmal der Wunsch, eine möglichst große Anzahl von Tools zur Verfügung zu haben. Viel wichtiger ist aber, verschiedene Veränderungswerkzeuge zur Hand zu haben, die geübt in der Anwendung wirklichen Praxisnutzen bieten können. Der geübte Umgang macht es möglich, diese zu variieren und verschiedenen Situationen und Klienten anzupassen. Als sinnvoll hat sich erwiesen, Ein Grundset an kognitiven, emotionsfördernden und imaginativen Interventionsmöglichkeiten in petto zu haben.
Der Artikel wollte wichtige Aspekte der Arbeit als systemischer Coach aufzeigen. Sicherlich wäre die Liste noch erweiterbar. So gehört regelmäßige Weiterbildung, der Austausch mit Kollegen und eine gute work-life balance ebenso zur verantwortungsvollen Tätigkeit.

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